Mit Erasmus+ in Budapest

Ein Besuch voller schöner Überraschungen

Von 11.10. bis 16.10.2026 begaben sich acht Studierende zusammen mit der Direktorin Maria-Luise Walser und der Erasmus-Koordinatorin Marion Lasinger auf Spurensuche in unser Nachbarland Ungarn: Laura Göhring, Magdalena Gruber, Jannis Kapshammer, Amelie Klug, Gabriel Rogner, Anna Rummerstofer, Ina Spitzbart und Helene Taumer waren dabei.
Erasmus-Reisen sind nicht nur dazu da, seine Sprachkenntnisse zu perfektionieren – obwohl das in Ungarn, wo die erste Fremdsprache auf C1-Niveau gelernt wird, durchaus möglich ist – wir waren gefordert!
Es geht in erster Linie darum, andere Perspektiven einzunehmen, sich auf Neues einzulassen und die Errungenschaften des Friedensprojektes „Europa“ selbst erleben zu dürfen.
SCHULWAHL
Kann ein Abendgymnasium sich in eine normale Tagesschule begeben? Was soll das bringen? Bisher dachten wir, es müsse immer eine Schule sein, die der unseren ähnelt, doch dieser Besuch im „Eötvös József Gimnázium“ hat uns eines Besseren belehrt.
Das Marion Lasinger mit einer der Lehrerinnen seit Jahrzehnten befreundet ist, kam es zur Idee einer Reise nach Osteuropa.
GANZ ANDERS
Was ist uns im ungarischen Gymnasium aufgefallen? Smartboards in jeder Klasse, Werbung in den Klassenräumen, eine Melodie von Vivaldi als Schulglocke, der 3D-Drucker in einer Klasse, um eine Stadt der Zukunft zu bauen, sehr lange Schultage – vor allem aber der fröhlichste Schulwart der Welt, die edelsten Möbel in der Direktion und nicht zuletzt die unglaublich klugen, sprachgewandten Schüler/-innen und deren engagierte Deutsch- und Englischlehrer/-innen.
JUDIT
Unsere Kontaktlehrerin Judít Veréb Czövekné organisierte nicht nur unseren täglichen Unterricht, sondern versorgte uns täglich mit einer ungarischen Spezialität, sogar bei unserem gemeinsamen Opernbesuch hatte sie Proviant für uns dabei. Wir verstehen, warum ihre Schüler/-innen sie so lieben und freuen uns schon, wenn sie mit ihrer Klasse im März zu uns kommt.
GEMÄLDE
Wir begaben uns mit einer Gruppe ihrer 16-jährigen Schüler/-innen in die Nationalgalerie, um jeweils zwei Gemälde zu suchen. Die Aufgabe war, eine Vorgeschichte zu schreiben: „Was ist vorher passiert?“ Wir mussten sogar in die Verlängerung gehen, weil es so viel zu erzählen, zu fragen und auszutauschen gab.
ENGLISCH
Bei Dávid Demeter und Ilona Hegedüs waren wir im Englisch-Unterricht – zwei Lehrer aus Leidenschaft. Danke für den Tipp mit dem Picker-Wheel.
DEUTSCH
Deutsch war anstrengend, weil man sein schönstes Hochdeutsch auspacken musste.
Mit der Klasse von Judit Gayer Mihokné wurden gleich Kontakte geknüpft; bei Anikó Bognár Hunfalfiné haben wir eine Maturaklasse kennen gelernt und über Bio-Produkte gesprochen. Manche haben schon maturiert, manche sind gerade dabei, andere bleiben noch länger in der Gruppe.
Unglaublich, wie unterschiedlich eine Matura ablaufen kann.
Mit Sándor Plangár waren wir nicht nur in Puccinis „Tosca“, sondern auch in einer Deutsch-Stunde mit Geschichte-Schwerpunkt: Monarchie, 1956, Klischees, Zitate von Grillparzer und Musil – welch ein Tiefgang.
Im Deutschunterricht von Judít Veréb Czövekné waren unsere theatralischen und pantomimischen Fähigkeiten gefragt.
DIREKTION
Auch der Direktor, András Kampós, empfing uns in seinem Büro. Von ihm erfuhren wir, dass die aktuellen Herausforderungen für Schulen dieselben sind wie bei uns. Er ist sehr zufrieden, dass die Schule in uns einen neuen Partner gefunden hat.
PROGRAMM
Nein, das war kein Urlaub. Alle Teilnehmer/-innen wurden noch vor der Abfahrt durch ein dickes Info-Heft über ihre Aufgaben informiert, die dann im Zug abgearbeitet wurden: bekannte Persönlichkeiten kennen, an zwei Orten Stadtführer/-in sein, ein bisschen Geschichte, Kunstgeschichte, Wissen um Bücher, Filme und Musik – man will ja nicht unwissend erscheinen.
Am Nachmittag war natürlich Zeit für Besichtigungen. Was wurde ausgelassen? Gar nicht viel.
Eine kleine Auflistung unserer Tour sei hier für alle jene vermerkt, die auch einmal das Land kennen lernen möchten, in dem die Habsburger prunkvolle, aber auch blutige Spuren hinterlassen haben, dessen Sprache mindestens so kompliziert ist wie unsere und dessen Demokratie große Belastungsproben ausstehen musste, die auch wir nicht vergessen sollten.
Wie heißt es in Puccinis „Tosca“‘?
„Und es leuchteten die Sterne“ – ja, die Sterne der EU-Fahne haben unsere Reise beleuchtet. Eines großes Danke für all die Förderungen.
Und dann heißt es: „Und ich habe das Leben noch nie so sehr geliebt!“.
Nach Momenten wie diesen möchte man sagen, dass man das Schülersein oder das Lehrersein noch nie so sehr geliebt hat.
Tosca singt: „Und ich gab meinen Gesang den Sternen am Himmel, die davon noch schöner lachten.“
Wenn man möchte, dass die Sterne leuchten, kann man sie zum Leuchten bringen – wir haben es (erfolgreich?) versucht.

SONNTAG – EIN ERSTER ÜBERBLICK
Essen
: Ankunft im Hotel Beletage; Kartoffelgulasch (hausgemacht von Frau Walser); Aktivität: Spaziergang durch das jüdische Viertel zum Deák tér; mit dem Bus zur Burg; Essen: Strudelverkostung
Aktivität: Spaziergang an der Promenade; Abstieg über den Burggarten-Basar; Straßenbahn bis zum Gellért tér; Aufstieg zur Zitadelle – Budapest by Night
Essen: im „Béla“

MONTAG – FAST EINE REISE IN DEN ORIENT
Aktivität
: umwerfende Blicke in Eingangshallen: Puskin-Kino, Hotel Parizsi udvár – maurisch-byzantinisch geprägte Jugendstil-Architektur
Essen: veganes Mittagessen im „Napfényes“
Kultur: deutschsprachige Führung in der Synagoge in der Dohány utca
Aktivität: Suche nach Markierungen des ehemaligen Ghettos, Mural Art und Skulpturen des ukrainischen Künstlers Mihály Kolodko im jüdischen Viertel.
Essen: Pizzeria in der Andrássy út („Cardinale“)
Aktivität: nächtliche Straßenbahnfahrt an der Donau bis zum Parlament

DIENSTAG – KUNST UND KULTUR
Essen:
im Literaturmuseum im Karóly-Garten
Kultur: Nationalgalerie auf der Burg mit den ungarischen Schüler/-innen
Aktivität: Stefan-Basilika; Metrolinie 1 (älteste U-Bahn des Kontinents)
Essen: Café Müvész
Aktivität: ein Blick in die Liszt-Akademie
Essen: Selbstversorgung

MITTWOCH – DER EINZIG KALTE TAG
Essen:
Váci utca und Markthalle
Aktivität: Schuh-Denkmal an der Donau (Pogrome der Pfeilkreuzler); Parlament (leider nur von außen); Westbahnhof
Essen: Baumkuchenverkostung
Aktivität: Metro 1 zum Heldenplatz; Ethnographisches Museum im Stadtwäldchen (Dachbesteigung und Studium des Stadtmodell im Erdgeschoß)
Aktivität: Haus der Musik (Eingangs- und Außenbereich)
Kultur: Urania-Kino (Eingangsbereich; Schmucksaal: Vorpremiere von „The Last Living Thief of New York“)
Essen: ungarisches Lokal in der Dob utca („Sisters“).
Trinken: Ruinenbar

DONNERSTAG – EINMAL EINTAUCHEN
Essen
: Selbstversorgung im Hotel mit Brot, Tomaten, Mozzarella und Pesto
Wellness: türkisches Bad („Rudas gyógyfürdö“)
Essen: Gulaschsuppe im Café Müvész
Kultur: Oper „Tosca“ von Puccini (konzertante Aufführung) – mit den ungarischen Schüler/-innen
Trinken: gemeinsamer Ausklang in der Bar neben dem Hotel („Charbon Art Café“)

FREITAG – ALLES ZUM LETZTEN MAL
Aktivität:
vor der Abfahrt ein paar Erledigungen
Essen: Pläne schmieden für weitere Besuche im „Bródy House“ und im „Café Geraldine“.

(Text&Bilder: LAS, WAL&Studierende)

wie im Bilderbuch

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